Gastartikel: Eine Bekannte erzählt über ihre Barfusslauferfahrungen

25 Jul

BarfusslaufenIn diesem Artikel erzählt eine Bekannte über ihre Barfusslauferfahrungen und wie sie durch die konsequente Integration vom Barfusslaufen ihre Schmerzen in Füssen und Knien loswerden konnte. Sie selbst ist Dipl. Sportlehrerin für Rehabilitation, Behindertensport und Sporttherapie und hat ein MBA Management im Sozial- und Gesundheitswesen, Schwerpunkt Krankenhausmanagement.


 «Eigene Wege sind schwer zu beschreiben, sie entstehen ja erst beim Gehn.» Heinz Rudolf Kunze (1988).

 

Aber im Nachhinein darf ein Zurückschauen erlaubt sein, zeigt sich doch gerade in der Rückschau der gesamte Umfang des zurückgelegten Weges inklusive der gemachten vielfältigen Erfahrungen. Mein eigener Barfussweg begann vor drei Monaten. Seitdem bin ich auf meinen Ausflügen in den Wald und wo auch immer möglich, barfuss unterwegs. Es hat sich einiges verändert und es ist viel passiert.

Am einfachsten feststellbar und sehr offensichtlich sind funktionelle Veränderungen, die sich bereits nach wenigen Wochen barfuss einstellten. Die Ausgangslage war wie bei vielen schuhtragenden Menschen und aus der Perspektive eines gesunden Fusses verheerend. Trotz oder vielleicht sogar wegen? meiner Sportlervergangenheit deckte ich mit einem Knick-, Senk- und Spreizfuss fast das volle Programm der orthopädischen Fussdeformitäten ab. Meine Achillessehne wies von hinten betrachtet einen Knick auf, das Längsgewölbe war beinahe bis auf den Boden abgesenkt und das Quergewölbe des Fusses nicht vorhanden und damit eine tragende Statik schlichtweg nicht vorhanden.

Seit über 10 Jahren hatte ich Schmerzen in den Füssen, die mich dazu zwangen, auf das geliebte Joggen zu verzichten und auch im Alltagsgeschehen mit Schmerzen und Missempfindungen zu leben. Einige Zeit stehen war für mich nicht schmerzfrei möglich. Nur zu laufen war zwar machbar aber nicht befriedigend für eine Sportlerin, die ihr Leben lang Bewegung als einen Hauptinhalt ansah und Leistungssport betrieb. Eine Mischung aus Erschöpfung und Fehlfunktion veranlasste meinen Körper und ganz im Speziellen meine Füsse aufzugeben und ihren Dienst zu versagen. Nach weiteren Fussmärschen fühlte ich mich, als würde ich auf den Knochen gehen und es dauerte einige Zeit bis Tage, bis ich weniger Schmerzen hatte.

Ich durchlief die jahrelange Odyssee eines Schmerzpatienten mit diversen Diagnosen, Therapien und Doktorshopping. Niemand und nichts half. Eine Therapie mit Fussgymnastik war mühsam und da sie nicht schnell genug den gewünschten Erfolg brachte, auch zügig wieder vernachlässigt und vergessen. Dabei war ich nah an der Lösung dran und habe sie einfach nicht zu Ende gedacht und gemacht. Leider fehlten die richtigen Therapeuten oder die mit der richtigen Einstellung. Jeder versuchte auf seine Art zu helfen aber keiner sagte mir dabei, wie ich mir konkret und effizient selber helfen konnte. Der Chirurg wollte mir operativ die Nervenkanäle an den Knöcheln verbreitern und der Neurologe empfahl mir die Nerven zwischen den Zehenstrahlen zu entfernen. Osteopathen und Physiotherapeuten, Heilpraktiker und Homöopathen, alle hatten ihre Ideen mir zu helfen aber machten mich abhängig von ihnen, während ich mit jeder Behandlung ein kleines Stück Hoffnung aufgab.

Es folgte die Resignation und ich machte Frieden mit meinen Schmerzen und integrierte sie in meine Persönlichkeit. Aber tief drinnen wusste ich, dass ich gar nicht krank bin und lediglich die Zeit noch nicht reif war, um mir die Lösung zu zeigen. Ich vermutete tief in meinem Inneren und über die gesamte Zeit, dass die Lösung nur in mir allein lag und niemand etwas dazu tun musste, dass ich wieder schmerzfrei wurde.

Die Wende durch Barfusslaufen

Vor einigen Monaten passierte es mir, dass ich Zugang zu einfachem und ursprünglichem Wissen erhielt. Ich hörte vom Barfussgehen und empfand es als herausfordernd, sportlich und spannend, deshalb zog ich meine Schuhe aus und begann auch damit. Herausfordernd war es allein schon deshalb, da ich es zu einer Zeit tat, in der die meisten Menschen noch Winterschuhe trugen und an einigen Stellen noch Schnee lag. Nie hätte ich mir vorstellen können barfuss durch den Schnee zu gehen oder auch nur einige Sekunden in eiskalten Gebirgsbächen zu stehen. Da wo früher ein fast unüberwindbares Hindernis lag, befand sich jetzt ein Spielplatz. Wenn im Frühling noch keine Brücken über den Gebirgsbächen liegen, bekommt man schon einmal nasse Schuhe – nur barfuss eben nicht.

Erst im Nachhinein aber mit eifriger Faszination, beschäftigte ich mich auch theoretisch mit dem Barfusslaufen und las was jeder weiss.  Man sollte doch langsam beginnen und mit kurzen Strecken. Die Symptomatik verstärkte sich und meine Füsse hatten Stress. Glücklicherweise ging das sehr schnell vorbei und aus der neuerlangten Betätigung wurde schon bald Gewohnheit bis hin zu einem Bedürfnis. Dabei hatte ich nie im Sinn, auf eine solche Art meine Beschwerden zu mildern und auch nicht daran gedacht, dass eine Besserung eintreten könnte. Aber weshalb und wozu sagte mir niemand, dass es so einfach sein und ich lediglich meine Schuhe weglassen musste, um einen ersten Schritt in Richtung Schmerzfreiheit zu machen.

Neben einem stärker ausgeprägten Fussgefühl und der verbesserten Funktion meiner Füsse stellten sich noch andere wunderbare Nebeneffekte ein, die das Bedürfnis barfuss zu laufen weiter steigerten. Schon bald traute ich mich ohne Schuhe ins Dorf oder sie Stadt, fuhr ohne Schuhe Velo und Auto. Meine Füsse hatten so Kontakt zu verschiedenen Untergründen und lernten wieder, was sie eigentlich konnten – fühlen. Stellt doch unser Gehirn den Füssen beinahe gleich viel Platz für die Sensorik zur Verfügung wie den Händen. Als meine Füsse das aber wieder wussten und über ihre volle Funktion verfügen konnten und durften, stellte sich eine gewisse Abneigung gegenüber gewöhnlichem Schuhwerk ein. Aber was sollte ich im öffentlichen Raum tun, wenn es nicht erwünscht war barfuss zu sein. Gilt man doch als Barfüsser als Fremdling und manchmal auch Spinner. Und genau genommen fühlte und fühle ich mich in manchen Situationen so.

Wahrscheinlich gibt es unter anderem auch aus diesem Grund Barfussschuhe in alle Varianten, die es dem Fuss weitgehend ermöglichen sich in seiner angeborenen Funktion zu bewegen und dennoch nicht als Aussenseiter zu gelten. Lediglich die Sensorik leidet. Dafür zieht man nach getaner Arbeit aber auch gern die Schuhe aus und kann seinen privaten Raum ganz unbeschuht geniessen. Da ich früher immer unter kalten Füssen litt, war es für mich kaum vorstellbar, daheim ohne meine handgefilzten warmen Hausschuhe unterwegs zu sein. Erstaunlicherweise waren meine Füsse durch das Barfusslaufen immer gut in Bewegung und noch besser durchblutet, so dass Hausschuhe unnötig wurden. Das Thema kalte Füsse gehört nun der Vergangenheit an. Barfusslaufen hat mir noch ganz andere Veränderungen beschert, um die ich sehr dankbar bin.

Mit jedem Spaziergang im Wald und in den Bergen entspannte meine gesamte Muskulatur und dazu kam noch eine mentale Entspannung. Weil barfusslaufen auch ein wenig süchtig macht und ich dazu weiterhin diese schnellen Veränderungen geniessen wollte, nahm ich mir immer mehr Zeit, um in die Natur zu gehen und mit allen Sinnen zu geniessen. Dabei gab es jedes Mal Neues zu entdecken. Auch durfte ich an mir neue Seiten entdecken oder alte Seiten neu entdecken. Wie schön ist es doch, mit den Füssen die unterschiedlichsten Untergründe begehen zu dürfen. Meine Lieblinge sind Moos und noch besser; eine ordentliche Matschpfütze oder lehmige feuchte Erde.

Das regelmässige Training veränderte auch meinen Körper. Die gesamte Beinmuskulatur wurde kräftiger, die Form der Wade veränderte sich. Wer Wert auf schöne Beine legt, sollte barfuss laufen und auch derjenige, der eine aufrechte Körperhaltung anstrebt. Nebenbei erhält man schöne!, gesunde und sonnengebräunte Füsse, die sich im Sommer in jeder Sandale oder auch nackt sehen lassen können. Obendrein bilden sie das beste Fundament für eine gesunde Körperstatik und über diesen Mechanismus eine entspannte Muskulatur im ganzen Körper, besonders der im Rücken. Jeder Rückenschmerzgeplagte sollte den therapeutischen Nutzen des Barfusslaufens kräftig auskosten.

Bisher habe ich nichts zu den Vorurteilen und eventuellen Kontraindikationen des Barfusslaufens erzählt. Jedes Neue wird zuerst einmal skeptisch beäugt und gern auch abgetan. Das kann einem Barfüsser schon passieren, bleibt aber die Ausnahme. Von skeptischen bis bewundernden Blicken über Verwunderung bei den Betrachtern reichen die Reaktionen der Mitmenschen. Es ist mir bereits mehrmals passiert, dass sich aufgrund meiner Barfüssigkeit andere Menschen haben anstecken lassen. Ich bin sehr gespannt, wann bei der grossen Masse ein Umdenken oder Erkennen des gesundheitsfördernden Nutzens einsetzt.

Das Barfusslaufen kalte Füsse gibt, die wiederum eine Erkältung hervorrufen, ist eine Mär. Seitdem ich öfters barfuss bin, hatte ich keine Erkältung mehr. Auch wenn die Füsse mal kalt sind, sollte man sich nicht schrecken lassen. Davon wird man nur krank, wenn man daran glaubt. Verletzungen durch Steine oder Dinge es natürlichen Untergrundes sind ebenfalls kein Grund auf das Barfusslaufen zu verzichten. Bisher habe ich mir noch nie weh getan. Einzig eine Unachtsamkeit brachte mich beinahe zu Fall und dabei passierte eine Schürfung. Wer seinen Weg mit einer gewissen Achtsamkeit geht, muss sich auch nicht vor Scherben fürchten. Diese sind sehr selten und müssen nicht in jedem Fall schneiden, wenn man darauf tritt. Vor Verletzungen schützen sollten sich Diabetiker, dessen Krankheitsbild eine Kontraindikation zum Barfusslaufen darstellt.

Eltern und ihre Kinder können das neue Gefühl auf Barfusswanderungen gemeinsam geniessen. Die Kinder werden auf längeren Fussmärschen erst viel später ermüden und mehr Freude an den Wanderungen haben.

Abschliessend möchte ich auf eine weitere Funktion der Füsse eingehen und damit einen Ausblick auf den nächsten Bericht geben. Ebenso wie die Sensorik der Füsse im Grosshirn des Menschen einen ähnlich grossen Platz einnimmt wie die der Hände, ist auch der Motorik der Füsse ein grosses Areal reserviert, so dass man meinen könnte: «Der Mensch hat vier Hände; zwei an den Armen und zwei an den Beinen».

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